1. Oktober 2026
Design Sprint Prototyp: wie weit er gehen muss
Der Design Sprint Prototyp entsteht an einem Tag. Wie weit er gehen muss, welche Form passt und welche Fehler den Test am nächsten Tag verderben.
Am Morgen von Tag 3 liegt ein Storyboard auf dem Tisch. Am Abend muss etwas stehen, das fünf fremde Personen am nächsten Tag für echt halten. Der Design Sprint Prototyp ist der Moment, in dem viele Teams zu viel bauen oder zu wenig. Meine Antwort auf die Frage, wie weit er gehen muss: genau so weit, wie das Storyboard reicht. Keinen Klick weiter.
Dieser Beitrag zeigt, woran Sie diese Grenze erkennen, welche Form zu Ihrer Frage passt und wie Sie den Tag aufteilen. Wie die vier Tage insgesamt ablaufen, steht in Design Sprint: Ablauf und wann sich 4 Tage lohnen.
Der Massstab: glaubwürdig, nicht fertig
Jake Knapp beschreibt den Prototyp-Tag mit einer klaren Haltung: «fake it». Das Team baut eine realistische Fassade und konzentriert sich auf die Oberfläche, die die Kundschaft sieht. Nur so lässt sich der Prototyp an einem einzigen Tag fertigstellen.
Im Sprint-Buch heisst der Massstab «Goldilocks-Qualität». Ist der Prototyp zu grob, glauben die Testpersonen nicht, dass sie ein echtes Produkt vor sich haben. Ist er zu ausgefeilt, arbeitet das Team die ganze Nacht und wird nicht fertig (Zusammenfassung bei Zapier).
Daraus folgt eine einfache Regel: Der Prototyp muss die Testperson täuschen, nicht die Technik überzeugen. Hinter einem Knopf darf nichts passieren, solange die Person auf der nächsten Seite landet.
Welche Form zu Ihrer Frage passt
Ein Prototyp ist nicht automatisch eine App. Die Form hängt davon ab, was die Testperson erleben soll.
| Ihre Sprint-Frage dreht sich um | Passende Form | Werkzeug |
|---|---|---|
| ein digitales Angebot, ein Portal, ein Formular | Klick-Dummy mit 5 bis 10 Bildschirmen | PowerPoint, Keynote, Figma |
| eine neue Dienstleistung | Angebotsseite plus Gesprächsleitfaden | Website-Baukasten, Word |
| einen internen Ablauf | Rollenspiel mit Papierformularen | Drucker, Schere, Klebeband |
| ein Angebot mit Preis | Offerte oder Broschüre als PDF | Word, Canva |
Google Ventures nennt Keynote und PowerPoint als die Werkzeuge, mit denen Sprint-Teams am häufigsten den passenden Prototyp bauen. Die gewohnten Design-Werkzeuge sind für diesen Tag zu perfekt und zu langsam.
Meine Einschätzung zu KI-Werkzeugen wie Claude oder Lovable: Sie bauen einen klickbaren Entwurf deutlich schneller als PowerPoint. Das ändert die Regel nicht. Es verschiebt nur die Versuchung, mehr zu bauen, als der Test braucht.
Der Design Sprint Prototyp in fünf Schritten
Für Tag 3 reicht eine Person aus dem Kernteam. Sie bringt das Fachwissen ein, die anderen sind zurück im Tagesgeschäft.
1. Das Storyboard in Szenen zerlegen
Jede Szene des Storyboards wird zu einem Bildschirm, einer Seite oder einer Station im Rollenspiel. Nummerieren Sie die Szenen und hängen Sie die Liste gut sichtbar auf.
Was nicht im Storyboard steht, wird nicht gebaut. Die Entscheidung dazu fiel an Tag 2, mit der Entscheiderin oder dem Entscheider im Raum. Tag 3 eröffnet sie nicht neu.
2. Echte Inhalte statt Platzhalter
Schreiben Sie echte Texte, echte Preise, echte Produktnamen. Ein «Lorem ipsum» oder ein «Preis folgt» verrät der Testperson, dass sie eine Attrappe vor sich hat. Ab diesem Moment reagiert sie auf die Attrappe, nicht auf die Idee.
Die Texte sind oft die halbe Arbeit. Planen Sie dafür den ganzen Vormittag ein, nicht eine Stunde am Schluss.
3. Das Werkzeug wählen, das die bauende Person beherrscht
Der Tag ist kein Lernprojekt. Wer PowerPoint sicher bedient, baut in PowerPoint. Ein neues Werkzeug kostet die Stunden, die am Abend fehlen.
4. Den Interviewleitfaden parallel schreiben
Laut Google Ventures gehört der Leitfaden für den Testtag zu den Aufgaben von Tag 3, zusammen mit dem Bestätigen der Testtermine. Der Leitfaden folgt den Szenen des Storyboards. Zu jeder Szene steht eine offene Frage, keine Suggestivfrage.
5. Ein Probedurchlauf am Nachmittag
Spätestens zwei Stunden vor Feierabend spielt jemand die Testperson. Diese Person klickt sich ohne Erklärung durch, vom ersten bis zum letzten Bildschirm. Jede Stelle, an der sie fragt «Und jetzt?», wird repariert. Neue Funktionen kommen dabei keine dazu.
Woran Sie erkennen, dass er weit genug geht
Drei Fragen genügen als Abnahme am Ende des Tages:
- Deckt der Prototyp jede Szene des Storyboards ab? Fehlt eine, fehlt am Testtag ein Teil der Antwort.
- Kommt die Testperson an jeder Stelle ohne Erklärung weiter? Ein Hinweis von Ihnen verfälscht die Beobachtung.
- Würde die Person glauben, dass es das Angebot gibt? Wenn Sie zögern, fehlt es meistens an den Texten, selten am Design.
Dreimal Ja heisst: fertig. Jede weitere Stunde verbessert das Aussehen, nicht das Testergebnis.
Häufige Fehler an Tag 3
Der Prototyp wird zum Produkt. Das Team baut Funktionen, die im Test niemand berührt. Das Sprint-Buch warnt ausdrücklich davor. Der Fehler passiert trotzdem, vor allem wenn die bauende Person ihr Handwerk liebt.
Neue Ideen schleichen sich ein. Beim Bauen fällt allen eine bessere Variante ein. Notieren Sie sie auf einem separaten Blatt. Getestet wird, was an Tag 2 entschieden wurde, sonst wissen Sie am Ende nicht, was Sie geprüft haben.
Das Fachwissen fehlt am Tisch. Baut eine externe Person allein, stimmen die Begriffe nicht. Die Testperson stolpert über ein Wort, das in Ihrer Branche niemand benutzt. Deshalb bleibt eine Person aus dem Kernteam an Tag 3 dabei.
Die Testtermine wackeln. Der beste Prototyp nützt nichts, wenn am Testtag zwei von fünf Personen absagen. Wie Sie die Testpersonen rechtzeitig finden, steht in Design Sprint vorbereiten.
Ihr nächster Schritt
Nehmen Sie eine offene Frage aus Ihrem Betrieb und skizzieren Sie in fünf Szenen, was eine Kundin erleben würde. Dann prüfen Sie: Welche der vier Formen aus der Tabelle passt, und wer in Ihrem Team könnte sie an einem Tag bauen? Wenn Sie beide Antworten haben, ist Ihre Frage sprinttauglich.
Warum ein Prototyp mehr klärt als ein Konzept, habe ich in Warum Ihr nächstes Projekt als Prototyp startet aufgeschrieben. Was nach dem Testtag passiert, steht in Nach dem Design Sprint. Wie wir Sprints moderieren, finden Sie auf der Seite Design Sprints.
Sie möchten Ihre Frage an einem konkreten Beispiel prüfen? Buchen Sie 30 Minuten, dann skizzieren wir den Prototyp gemeinsam.