9. August 2026
Design Sprint vorbereiten: die zwei Wochen davor
Design Sprint vorbereiten: Was in den zwei Wochen vor dem Start erledigt sein muss, damit die vier Tage nicht an fehlender Organisation scheitern.
Ein Design Sprint scheitert selten an den vier Tagen. Er scheitert an dem, was zwei Wochen vorher nicht passiert ist. Wer einen Design Sprint vorbereiten will, hat drei Aufgaben: eine Frage, die trägt, die richtigen Personen im Raum, und fünf Testtermine im Kalender. Der Rest ist Logistik, und Logistik lässt sich abarbeiten.
Warum das so streng klingt: Der Sprint hat keinen Puffer. Fällt an Tag 1 auf, dass die Frage zu vage ist, verliert das Team einen halben Tag. Fehlt an Tag 4 die Testperson, fällt der wichtigste Teil aus. Beides lässt sich vorher verhindern, aber nur vorher.
Zwei Wochen vorher: Frage, Menschen, Termine
Die Frage schriftlich festhalten. Ein Satz, den jede Person im Team gleich versteht. Der einfachste Test: Lassen Sie drei Kolleginnen und Kollegen unabhängig aufschreiben, was die Frage bedeutet. Weichen die Antworten voneinander ab, ist die Frage nicht bereit. «Wie vereinfachen wir die Bestellung für Neukunden?» funktioniert. «Wie werden wir digitaler?» funktioniert nicht.
Das Team zusammenstellen. Vier bis sieben Personen aus verschiedenen Blickwinkeln: Verkauf, Betrieb, Technik, Kundenkontakt. Mehr Köpfe bringen keine besseren Entscheidungen, sondern längere Diskussionen. In der klassischen Besetzung sitzen Entscheider-/in, Fachleute aus dem Thema und eine Person, die den Prototyp baut am Tisch.
Die Entscheiderin oder den Entscheider verbindlich einladen. Diese Person muss an Tag 1 und Tag 2 durchgehend dabei sein und am Ende sagen können, welcher Weg getestet wird. Kann sie nur teilweise, braucht es eine zweite Person mit derselben Befugnis. Ein Sprint ohne Entscheidungsbefugnis endet im Kompromiss.
Die Kalender blocken. Zwei volle Tage für das ganze Team, ohne Zwischentermine. Ab Tag 3 reicht eine Person aus dem Team für den Prototyp, Tag 4 ist für die anderen freiwillig. Diese Rechnung hilft im Gespräch mit der Geschäftsleitung: Der Sprint kostet das Team zwei Tage, nicht vier.
Eine Woche vorher: Testpersonen und Vorwissen
Fünf Testpersonen einladen. Fünf Personen aus der Zielgruppe decken die grössten Probleme auf, danach wiederholen sich die Beobachtungen. Laden Sie sechs ein, weil erfahrungsgemäss jemand absagt. Termine in 45-Minuten-Fenstern an Tag 4, mit klarer Ansage: Getestet wird eine Idee, nicht die Person.
Wo Sie die Personen finden: bestehende Kundschaft, Anfragen der letzten Wochen, Kontakte aus dem Verkauf. Wichtig ist, dass sie nicht im Projektteam sitzen. Wer die Lösung mitentwickelt hat, kann sie nicht mehr unvoreingenommen testen.
Vorwissen einsammeln. Alles, was im Haus zum Thema existiert, gehört auf zwei Seiten: Zahlen aus dem Verkauf, wiederkehrende Reklamationen, frühere Anläufe, bestehende Analysen. Das Team liest das vor dem Sprint, nicht während. So beginnt Tag 1 mit demselben Kenntnisstand für alle.
Fachpersonen für Tag 1 anfragen. Wer Wissen hat, aber nicht die ganze Woche dabei sein kann, bekommt einen 20-Minuten-Slot am ersten Vormittag: Buchhaltung, IT-Partner, Aussendienst. Diese Kurzinterviews sind der günstigste Teil des Sprints und oft der aufschlussreichste.
Der Tag davor: Raum, Technik, Erwartungen
Der Raum. Ein Raum für vier Tage reserviert, mit genügend freier Wandfläche. Skizzen und Storyboard bleiben hängen, sonst beginnt jeder Tag mit Aufräumen. Dazu Papier, Stifte, Haftnotizen, Klebepunkte.
Die Technik für Tag 4. Testen Sie die Aufnahme einmal durch: Ton, Bild, Zustimmung der Testpersonen zur Aufzeichnung. Ein Sprint-Test, den niemand nachhören kann, verliert die Hälfte seines Werts. Die Aufzeichnungen sind später der Kontext, mit dem Sie Entscheidungen begründen und im Unternehmen weitergeben.
Die Erwartung setzen. Sagen Sie dem Team vorher, was am Ende herauskommt: ein getesteter Prototyp und eine Richtungsentscheidung. Kein fertiges Produkt, kein Umsetzungsplan. Diese eine Botschaft erspart die Enttäuschung an Tag 4.
Wer die Vorbereitung übernimmt
Zwei Rollen, die oft vermischt werden. Die Moderation führt durch die vier Tage und hält den Zeitplan. Die Organisation kümmert sich um Einladungen, Raum, Material und Testtermine. Beides gleichzeitig zu machen, geht in einem kleinen Team, kostet aber Aufmerksamkeit an genau den Tagen, an denen es darauf ankommt.
Im KMU übernimmt die Organisation meist das Office-Management, und das funktioniert gut: Termine koordinieren und Zusagen einholen ist dort Tagesgeschäft. Wichtig ist die klare Übergabe. Wer organisiert, braucht die Namen, die Frage und das Datum, sonst wird aus der Vorbereitung eine Kette von Rückfragen.
Rechnen Sie mit vier bis sechs Stunden Vorbereitungsaufwand, verteilt über zwei Wochen. Der grösste Block ist die Rekrutierung der Testpersonen.
Die Checkliste in Kürze
| Wann | Was | Erledigt, wenn |
|---|---|---|
| 2 Wochen vorher | Sprint-Frage schriftlich | Drei Personen lesen sie gleich |
| 2 Wochen vorher | Team und Entscheider-/in | Zusagen im Kalender, nicht per Zuruf |
| 2 Wochen vorher | Kalender blocken | Tag 1 und 2 vollständig frei |
| 1 Woche vorher | Testpersonen | Sechs Zusagen für Tag 4 |
| 1 Woche vorher | Vorwissen | Zwei Seiten, vom Team gelesen |
| 1 Woche vorher | Fachpersonen | Slots am Vormittag von Tag 1 |
| 1 Tag vorher | Raum und Material | Wandfläche frei, Material da |
| 1 Tag vorher | Technik | Aufnahme einmal getestet |
Drei Fehler, die ich immer wieder sehe
Die Testpersonen kommen zuletzt dran. Wer erst an Tag 3 mit der Suche beginnt, testet an Tag 4 vor leeren Stühlen. Die Einladungen gehören an den Anfang der Vorbereitung, nicht ans Ende.
Die Entscheiderin sagt halb zu. «Ich schaue am Nachmittag rein» reicht nicht. Ohne durchgehende Präsenz an Tag 1 und Tag 2 fehlt am Ende die Person, die den Entscheid trägt. Dann testet das Team einen Kompromiss.
Die Frage bleibt gross. Ein Sprint kann eine Annahme prüfen, nicht eine Strategie. Wenn die Frage nach dem ersten Formulieren immer noch drei Themen enthält, schneiden Sie zwei weg. Die bleiben liegen, sie verschwinden nicht.
Der nächste Schritt
Nehmen Sie sich 30 Minuten und füllen Sie die Tabelle oben mit Namen und Daten. Bleibt eine Zeile leer, haben Sie Ihr Startproblem gefunden, und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem es noch nichts kostet.
Ob Ihr Thema überhaupt sprintreif ist, klärt der Beitrag Design Sprint: Wann sich 4 Tage lohnen und wann nicht. Ist die Frage eher intern als kundenseitig, hilft die Abgrenzung in Design Sprint oder Workshop. Wie ich Sprints begleite, steht auf der Seite Design Sprints. Ihre konkrete Frage schauen wir am schnellsten im Erstgespräch an.