6. September 2026
KI-Roadmap erstellen: vom Wunschzettel zum Fahrplan
KI-Roadmap erstellen im KMU: aus einer Ideenliste wird ein Fahrplan mit Reihenfolge, Verantwortlichen und Terminen. In vier Schritten, ohne Beratung.
Nach dem ersten KI-Workshop liegen vierzig Ideen auf dem Tisch. Alle klingen gut, drei sind Unsinn, und niemand weiss, womit das Team am Montag anfängt. Wer eine KI-Roadmap erstellen will, steht genau hier: Die Ideen sind da, die Reihenfolge fehlt.
Eine Liste ist keine Roadmap. Eine Roadmap beantwortet drei Fragen: Was machen wir zuerst, wer macht es, und woran erkennen wir, dass es funktioniert hat. Alles andere ist Wunschzettel.
Der Anlass ist real. Der Anteil der Schweizer KMU, die KI in Arbeitsprozesse integriert haben, stieg 2025 von 22 auf 34 Prozent, zeigt die AXA KMU-Arbeitsmarktstudie. Die Werkzeuge sind also im Haus. Was fehlt, ist die Entscheidung, welche Aufgabe als Nächstes drankommt.
Was eine KI-Roadmap ist und was nicht
Eine KI-Roadmap ist eine Tabelle mit acht bis zwölf Zeilen. Sie passt auf eine Seite. Sie zeigt, welche Anwendungsfälle in welcher Reihenfolge angegangen werden, und sie hat für jede Zeile einen Namen und ein Datum.
Sie ist kein Strategiepapier. Warum ein 50-seitiges Dokument im KMU schadet, habe ich in Braucht mein KMU eine KI-Strategie aufgeschrieben. Und kein Einführungsplan: Wie die ersten Wochen mit KI konkret aussehen, steht in KI im KMU einführen. Die Roadmap kommt danach, wenn das Team die Werkzeuge kennt und die Ideen schneller kommen als die Kapazität.
Schritt 1: Ideen dort einsammeln, wo sie entstehen
Fragen Sie nicht nach KI-Ideen. Fragen Sie nach Ärger. Zwei Fragen an alle Mitarbeitenden, per Formular oder in einer Sitzung:
- Welche Aufgabe in Ihrer Woche fühlt sich stumpf an?
- Wo warten Sie regelmässig auf etwas oder auf jemanden?
Beide Fragen liefern Prozessprobleme, keine Toolwünsche. Das ist der Unterschied zwischen einer Roadmap, die hält, und einer Liste von Abo-Vorschlägen. Rechnen Sie mit zwanzig bis fünfzig Nennungen in einem Betrieb mit dreissig Mitarbeitenden, viele davon doppelt.
Schritt 2: Jede Idee auf eine Zeile bringen
Fassen Sie Doppelnennungen zusammen und schreiben Sie jede verbleibende Idee im gleichen Format auf:
Aufgabe · wer macht sie heute · wie oft · wie lange · was daran nervt
Ein Beispiel für das Format: «Offertentwürfe schreiben · Verkauf · 8-mal pro Woche · 45 Minuten · jede Offerte startet bei null.» Diese Zeile lässt sich bewerten. «KI im Verkauf einsetzen» lässt sich nicht bewerten.
Wo Sie die Zeit nicht kennen, schätzen Sie und markieren die Schätzung. Eine markierte Schätzung ist brauchbar, eine unmarkierte gefährlich.
Schritt 3: Bewerten mit zwei Achsen
Jede Zeile bekommt zwei Noten von 1 bis 5.
Nutzen: Wie viel Zeit oder Ärger fällt weg, wenn es klappt? Rechnen Sie Häufigkeit mal Dauer. Achtmal 45 Minuten pro Woche sind sechs Stunden, das ist eine 5. Einmal im Quartal zwei Stunden ist eine 1, egal wie lästig die Aufgabe ist.
Machbarkeit: Drei Fragen entscheiden. Liegen die nötigen Informationen digital und auffindbar vor? Dürfen diese Daten in ein KI-Tool? Kann eine Person im Haus das ausprobieren, ohne auf eine externe Firma zu warten? Dreimal Ja ist eine 5.
Die Datenschutzfrage ist im Schweizer KMU die häufigste Bremse, und sie kommt oft zu spät. Nur 34 Prozent der KMU haben überhaupt Regeln festgelegt, welche Daten in KI-Tools eingegeben werden dürfen, bei Betrieben unter zehn Mitarbeitenden sind es 23 Prozent. Was in der Schweiz gilt, steht in KI und Datenschutz.
Multiplizieren Sie beide Noten. Alles ab 16 Punkten gehört nach vorne.
Schritt 4: Die Reihenfolge in drei Fenster legen
Kein Jahresplan. Drei Fenster reichen:
| Fenster | Was hineingehört | Wie viele |
|---|---|---|
| Nächste 6 Wochen | Punktzahl 16 und höher, eine Person genügt | 2 bis 3 |
| Danach, 3 bis 6 Monate | hoher Nutzen, Machbarkeit noch offen | 3 bis 4 |
| Beobachten | gute Idee, heute nicht machbar | Rest |
Zwei bis drei Vorhaben im ersten Fenster sind die Obergrenze. Vier parallele KI-Vorhaben in einem KMU bedeuten vier halbfertige.
Jede Zeile im ersten Fenster bekommt einen Namen, ein Datum und einen Satz zum Ergebnis: «Bis 15. Oktober prüft Frau Meier, ob der Offertentwurf aus dem Angebotstext in unter 10 Minuten steht.» Ohne diesen Satz gibt es später Diskussionen darüber, ob es geklappt hat.
Die Roadmap lebendig halten
Setzen Sie einen Termin alle sechs Wochen, 30 Minuten. Drei Punkte: Was ist fertig, was hakt, was kommt aus dem zweiten Fenster nach vorne. Das ist der ganze Prozess.
Zeichnen Sie diesen Termin auf und legen Sie die Zusammenfassung dort ab, wo das Team sie findet. Nicht wegen der Protokollpflicht, sondern weil die Begründungen später zählen: Warum haben wir das verworfen, welche Annahme lag dahinter. Dieser Kontext ist in einem halben Jahr mehr wert als das Ergebnis selbst, und er ist Futter für jede KI, die Sie später auf Ihr Firmenwissen ansetzen. Wie das in fünf Minuten geht, steht in Sitzungsprotokolle mit KI.
Vier Fehler, die ich regelmässig sehe
Die Roadmap wird nach Technologie sortiert. «Chatbot», «Automatisierung», «Datenanalyse». Sortieren Sie nach Aufgaben, nicht nach Werkzeugkategorien. Sonst suchen Sie Probleme für Lösungen.
Alles landet im ersten Fenster. Wenn alles wichtig ist, ist nichts zuerst dran. Zwingen Sie sich auf drei.
Die Machbarkeit wird geschätzt statt geprüft. Eine halbe Stunde Ausprobieren beantwortet die Frage besser als eine Stunde Diskussion. Testen Sie den Anwendungsfall einmal von Hand, bevor Sie ihn einplanen.
Niemand ist verantwortlich. «Das Team» erledigt nichts. Eine Person pro Zeile, mit Namen.
Ihr nächster Schritt
Nehmen Sie sich 45 Minuten und schreiben Sie die zehn Aufgaben auf, über die sich Ihr Team am häufigsten beklagt. Im Format aus Schritt 2, mit Häufigkeit und Dauer. Diese Liste ist die halbe Roadmap, und sie entsteht ohne externe Hilfe.
Für die Bewertung und die Reihenfolge lohnt sich ein Blick von aussen, weil die Machbarkeitsfrage Erfahrung mit Werkzeugen voraussetzt. Wie wir das gemeinsam angehen, steht auf der Seite zur KI-Roadmap. Wenn Sie Ihre Liste durchgehen wollen, buchen Sie ein Erstgespräch.