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6. September 2026

Innovative Produkte entwickeln: KMU starten zu spät

Innovative Produkte entwickeln: Schweizer KMU haben keine Ideenlücke, sondern eine Startlücke. Meine Sicht, warum der erste Test zu spät kommt.

Wenn KMU innovative Produkte entwickeln wollen, scheitert es selten an den Ideen. Es scheitert am Startzeitpunkt. Die Idee ist seit anderthalb Jahren im Haus, besprochen an drei Sitzungen, und niemand hat sie je jemandem gezeigt, der dafür bezahlen soll.

Die Zahlen zeigen dasselbe Muster. Der Anteil der Unternehmen mit Produktinnovationen ist gesunken, der Anteil der forschungsaktiven Unternehmen leicht rückläufig, zeigt die Innovationserhebung 2023. Das lässt sich als Ressourcenproblem lesen. Ich lese es anders.

Warten ist keine Vorsicht

Die üblichen Gründe fürs Warten klingen vernünftig. Erst die Hochsaison überstehen. Erst die Marktdaten sauber haben. Erst wissen, was es kostet.

Alle drei haben denselben Kern: Man will Sicherheit, bevor man startet. Genau diese Sicherheit entsteht aber nicht am Schreibtisch. Sie entsteht, wenn jemand aus der Zielgruppe zum ersten Mal etwas Konkretes vor sich hat und reagiert.

Was in der Zwischenzeit passiert, ist nicht nichts. Die Idee altert. Die Begeisterung derjenigen, die sie hatten, geht in andere Projekte. Und der Aufwand für den Start steigt, weil aus der Idee inzwischen ein Vorhaben geworden ist, das eine Offerte und einen Projektplan braucht.

Das eigentliche Missverständnis

KMU starten zu spät, weil sie «anfangen» mit «Projekt aufsetzen» gleichsetzen. Ein Projekt braucht Budget, Kapazität und einen Entscheid. Das dauert.

Ein erster Test braucht nichts davon. Eine Seite, die das Angebot beschreibt. Ein Klick-Dummy. Ein Gespräch mit fünf Personen aus der Zielgruppe. Das kostet eine Woche und beantwortet die Frage, an der später das ganze Budget hängt: Will das jemand.

Deshalb halte ich es für den falschen Reflex, bei Innovation zuerst über Kapazität zu reden. Die Kapazitätsfrage stellt sich beim Bauen, nicht beim Prüfen. Warum ich Projekte mit einem Prototyp starte, habe ich in Warum Ihr nächstes Projekt als Prototyp startet aufgeschrieben. Und warum die Grösse des Betriebs dabei kein Argument ist, steht in «Dafür sind wir zu klein».

Was ich stattdessen empfehle

Setzen Sie sich eine Frist statt eines Budgets. Nehmen Sie die Idee, die am längsten liegt, und geben Sie sich vier Wochen, um sie einer Handvoll Leuten aus der Zielgruppe zu zeigen. Nicht als fertiges Angebot, sondern als etwas, das man ansehen und kommentieren kann.

Am Ende dieser vier Wochen wissen Sie mehr als nach anderthalb Jahren Sitzungen. Und im schlechtesten Fall haben Sie eine Idee beerdigt, die Sie sonst jahrelang durch die Traktandenliste geschleppt hätten. Das ist ein guter Ausgang.

Ihr nächster Schritt

Schreiben Sie die älteste Idee im Haus auf einen Zettel und daneben das Datum, an dem sie zum ersten Mal auftauchte. Diese Zahl ist meist unangenehm genug, um etwas auszulösen.

Wie aus so einer Idee in kurzer Zeit etwas Testbares wird, sehen Sie unter digitale Produkte. Wenn Sie Ihre Idee einmal von aussen prüfen lassen wollen, buchen Sie ein Erstgespräch.