12. Juli 2026
«Dafür sind wir zu klein»: der teuerste Satz im KMU
«Dafür sind wir zu klein» klingt nach gesundem Pragmatismus. Zahlen zu Schweizer KMU zeigen: Es ist meist nur eine Ausrede.
«Dafür sind wir zu klein» höre ich in fast jedem Workshop, wenn es um Prozesse, Automatisierung oder KI geht. Der Satz klingt nach gesundem Pragmatismus. Meist ist er eine Ausrede, die echte Kosten verursacht.
Die Zahlen sprechen dagegen. 99,7 Prozent aller Unternehmen in der Schweiz sind KMU, neun von zehn Firmen sind sogar Mikrounternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden. Wenn «zu klein» ein gültiger Grund wäre, Prozesse nicht zu optimieren, würde das für die Schweizer Wirtschaft heissen: fast niemand darf anfangen.
Was «zu klein» wirklich bedeutet
Kleine Unternehmen setzen laut einer Auswertung der Zeitschrift Die Volkswirtschaft im Median weniger als 20 Prozent der verfügbaren digitalen Technologien ein, Grossunternehmen fast 40 Prozent. Das ist die reale Lücke. Sie hat aber selten mit der Grösse selbst zu tun, sondern damit, dass kleine Teams keine IT-Abteilung haben, die den ersten Schritt für sie macht.
Das ist ein Ressourcenproblem, kein Grössenproblem. Und Ressourcenprobleme löst man nicht, indem man wartet, bis man gross genug ist. Man löst sie, indem man klein anfängt.
Warum «klein» sogar ein Vorteil ist
Ein Zehn-Personen-Team hat keine sechs Freigabeschlaufen, keine Change-Request-Formulare, keine Abstimmung mit drei Abteilungen. Eine neue Checkliste, ein neuer KI-gestützter Workflow, ein verschlankter Ablauf: Am Montag beschlossen, am Dienstag im Einsatz. Grossunternehmen brauchen für dieselbe Entscheidung oft Monate.
Die Grösse, die als Ausrede dient, ist in Wahrheit der Hebel.
Meine Haltung
Wer «dafür sind wir zu klein» sagt, meint fast immer etwas anderes: «Ich habe noch nicht angefangen» oder «ich weiss nicht, wo ich anfangen soll». Beides ist lösbar, meist innerhalb einer Woche. Grösse ist selten das eigentliche Hindernis.
Der nächste Schritt
Nehmen Sie den einen Prozess, der Sie diese Woche am meisten genervt hat. Das ist Ihr Startpunkt, unabhängig davon, ob Sie drei oder dreihundert Mitarbeitende haben. Wenn Sie nicht wissen, wo Sie ansetzen sollen, hilft ein Blick auf unseren Fahrplan für die KI-Einführung oder ein Termin.