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31. Mai 2026

Digitalisierung beginnt nicht mit Software

Wer einen schlechten Prozess digitalisiert, hat einen schlechten digitalen Prozess. Warum die Tool-Frage im KMU immer die zweite Frage ist.

«Wenn Sie einen scheiss Prozess digitalisieren, dann haben Sie einen scheiss digitalen Prozess.» Der Satz stammt vom früheren Telefónica-Deutschland-Chef Thorsten Dirks und ist das Ehrlichste, was je über Digitalisierung gesagt wurde.

Trotzdem beginnen die meisten Digitalisierungsprojekte im KMU mit einer Tool-Evaluation. Neues CRM, neues ERP, neue Projektsoftware. Die Hoffnung: Das Werkzeug bringt die Ordnung mit. Tut es nicht. Software macht Abläufe schneller, nicht besser. Einen chaotischen Ablauf macht sie schneller chaotisch.

Die richtige Reihenfolge

Drei Schritte, immer in dieser Ordnung:

  1. Verstehen: Wie läuft der Prozess wirklich? Nicht wie er im Kopf der Geschäftsleitung läuft, sondern am Pult der Mitarbeitenden. Der Unterschied ist meist beachtlich.
  2. Vereinfachen: Jeden Schritt hinterfragen. Braucht es die doppelte Freigabe? Die Excel-Zwischenliste? Das CC an fünf Personen? Was niemand vermisst, fliegt raus.
  3. Digitalisieren: Erst jetzt kommt das Tool. Und plötzlich reicht oft ein viel einfacheres, als der Anbieter verkaufen wollte.

Mein Erfahrungswert aus Prozess-Workshops: Schritt 2 bringt regelmässig mehr Zeitersparnis als Schritt 3. Gratis, ohne Lizenzkosten, ohne Schulung.

Und mit KI gilt das doppelt

KI verstärkt, was da ist. Ein sauberer Prozess mit KI wird spürbar schneller. Ein wirrer Prozess mit KI produziert Fehler in neuer Geschwindigkeit. Wer KI einführen will, hat damit den besten Anlass überhaupt, seine Abläufe endlich aufzuräumen.

Der nächste Schritt

Nehmen Sie einen Prozess, der nervt, und zeichnen Sie ihn auf: jeden Schritt, jede beteiligte Person, jede Übergabe. Allein diese Übung deckt die Baustellen auf. Genau so starten wir auch in der Prozessoptimierung. Oder wir schauen Ihren Kandidaten gemeinsam an: Termin buchen.